100 Jahre von der Gründung des modernen rumänischen Staates

Im Jahr des Jubiläums der rumänischen Einheit, vom 7. bis zum 15 September 2018, hat der Deutsch-Rumänische Kulturverein Athenaeum eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto „100 Jahre von der Gründung des modernen rumänischen Staates“ organisiert. An den Ereignissen in Düsseldorf, die an mehreren Tagen stattfanden, haben Musiker, Künstler, Museen, Gäste und wichtige Persönlichkeiten aus Deutschland und Rumänien teilgenommen.

Die Besichtigungen und die festlichen Veranstaltungen im Schloss Benrath und im Schloss Jägerhof – zwei Orte, die mit der Geschichte Rumäniens, mit unserem ersten König Carol I und seinem Nachfolger Ferdinand I. verbunden sind – wurden mit der Anwesenheit IKH Prinzessin Maria von Rumänien  beehrt. Die Nachfahrin der rumänischen Könige hatte dabei die Gelegenheit, in Düsseldorf auf den fürstlichen Spuren ihrer Vorfahren zu wandeln.

Der Verein, der sich bemüht, die rumänische Geschichte und die rumänische Kultur jenseits der Grenzen des Landes bekannt zu machen, hat in Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen und Organisationen Konzerte, Lesungen, Volkstanzveranstaltungen und Ausstellungen von Volkstrachten und Volkshandwerk gestaltet. Besonders beliebt war die Ausstellung „Ein Jahrhundert weibliche Schönheit“, die von dem Dorfmuseum Bukarest im Düsseldorfer Goethe-Museum, zwischen 7.09 - 15.09  gezeigt wurde.

Diese Ausstellung wurde liebevoll von Frau Paulina Popoiu, General Manager des Nationalen Freilichtmuseums "Dimitrie Gusti", mit Hilfe von Frau Aurelia Tudor und Rozica Miclescu organisiert.

 

In der Kirche St. Antonius, 11. September

 

Die Feierlichkeiten begannen mit einem Festkonzert in der Oberkasseler Kirche St. Antonius, das dem hundertjährigen Bestehen des modernen rumänischen Staates gewidmet war.

 

 

Die Feierlichkeit des Augenblicks wurde von einigen Einführungsvorträgen unterstrichen: es redeten Herr Hans Georg Lohe, Kulturdezernent der Stadt Düsseldorf, SH Serafim, Metropolit von Deutschland, Nord- und Mitteleuropa, Prof. Dr. Dr. Volkmar Hansen, Ehrenpräsident des Vereins Athenaeum und Frau Corina Dobre, Produzentin des Senders TVRi, der seit langen Jahren unser Freund und Partner ist. Ein Team dieses Senders hat alle Ereignisse aufgezeichnet und eine komplexe, einstündige Sendung produziert, die auf allen rumänischen Sendern ausgestrahlt wurde.

Bei dem Festkonzert von Oberkassel haben deutsche und rumänische Musikern mitgewirkt. Auf dem Programm standen Werke von Ion D. Chirescu, Liviu Comes, George Enescu, Dinu Lipatti und Leonard Bernstein. Es sang der „Junge Konzertchor Düsseldorf“ unter der Leitung von Guido Harzen. Mitgewirkt haben die Organisten Fernanda Romila und Dan Racoveanu (Professoren an dem Bukarester Konservatorium), Katharina Ullrich und Barbara Zimmermann-Kessler (Cello), Lara Macri (Harfe) und Stefan Heidemann (Schlagzeug). In der Oberkasseler Kirche konnte man (vielleicht zum ersten Mal in Deutschland auf Rumänisch ) das Gedicht „Gebet“ von Mihai Eminescu, dem Nationaldichter Rumäniens, hören in der meisterhaften Vertonung von Ion Dumitru Chirescu. Besonders lobenswert ist die Initiative dieses deutschen Chores, rumänische Stücke in der Originalsprache zu singen.

Gleichzeitig wurden auch 100 Jahre von der Geburt des Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein musikalisch gefeiert. Das sehr komplexe Chorwerk „Chichester Psalms“ hat die außergewöhnlichen Stimmlichen Qualitäten des Contratenors Yosemeh Adjej zur Geltung gebracht.

Im Schloss Benrath, 12. September

Die deutschen und rumänischen Mitglieder des Vereins Athenaeum, die IKH Prinzessin Maria von Rumänien bei ihrem Besuch im Schloss Benrath begleitet haben, haben unserer Könige gedacht, die in ihrer Jugend im Rheinland gelebt haben. Nach dem Erklingen der „Königshymne“ gab das Quartett „Incanto“ im Ballsaal des Schlosses ein kleines Konzert. Hier, im Jagdschloss Benrath, der Sommerresidenz der Familie von Hohenzollern Sigmaringen, verbrachte nicht nur Prinz Karl, der zukünftige König von Rumänien, einen Teil seiner Jugend, sondern auch der zweite Sohn des Fürsten Leopold von Hohenzollern Sigmaringen, König Ferdinand von Rumänien, der Erschaffer der rumänischen Einheit…

Im Düsseldorfer Rathaus, 12. September 12:00

Die Begegnung im Düsseldorfer Rathaus war ein wahres Zeugnis der deutsch-rumänischen Freundschaft und der gemeinsamen europäischen Werte. An dem Ereignis nahm auch IKH Prinzessin Maria teil. SE der rumänische Botschafter Herr Emil Hurezeanu ist extra aus Berlin angereist, um Herrn Oberbürgermeister Thomas Geisel im Namen des rumänischen Präsidenten einen Orden zu verleihen. Als Zeichen der Wertschätzung für seinen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der deutsch-rumänischen Beziehungen und für die Unterstützung der rumänischen Diaspora in Deutschland wurde Herr OB Geisel Mit dem nationalen Orden für besondere Verdienste im Grad eines Offiziers

ausgezeichnet.

Im Schloss Jägerhof, 12. September 16:00

Der Festsaal des Goethe-Musäums (Schloss Jägerhof) beherbergte die zweite Festveranstaltung von „100 Jahre von der Gründung des modernen rumänischen Staates“. Der Leiter des Museums, Herr Prof. Dr. Wingertszahn, hielt nach der Begrüßung der Ehrengäste eine sehr herzliche Eröffnungsrede. Weitere Redner waren: Herr Hans Georg lohe, Kulturdezernent der Stadt Düsseldorf, Frau Dr. Heike Spies, sellvetretende Leiterin des Goethe-Museums, Frau Dr. Paula Popoiu, Leiterin des Dorfmuseums „Dimitrie Gusti“ Bukarest, Herr Prof. Daniel Sandru von der Universität Iaşi, Prof. Dr. Volkmar Hansen, Ehrenpräsident des Vereins Athenäum.

Das Quartett „Incanto“, ein langjähriger Partner unseres Vereins, der extra aus Temeschwar angereist ist, begeisterte die Zuhörer mit rumänischer und internationaler Musik.

Die Volkskunstausstellung „ Ein Jahrhundert weibliche Schönheit“, die von dem Dorfmuseum Bukarest organisiert wurde, zeigte dem deutschen Publikum in Goethes Heiligtum besondere Volkstrachten, Fotos und Schmuck aus allen Gegenden Rumäniens in einem symbolischen Gedenken an die Vereinigung Rumäniens vor einem Jahrhundert.

Der sächsische Abend, Schloss Jägerhof, 13. September

Der zweite Abend im Schloss Jägerhof war den Siebenbürger Sachsen und ihrem kulturellen Erbe gewidmet. Herr Rainer Lehni, Präsident des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland Landesgruppe NRW, stellte das Programm vor und redete über die Situation der in Siebenbürgen geborenen Deutschen, die heute in Deutschland leben. Das Programm trug den Titel „Zwischen Bistritz und Kronstadt“.

Die Journalistin und Autorin Ruxandra Hurezean teilte in der Simultanübersetzung von Frau Geraldine Gabor-Dreyer ihre Gedanken über das kulturelle Erbe dieser Volksgruppe mit, das von unschätzbarem Wert ist für Siebenbürgen, für Rumänien und für Europa… Die Klausenburgerin Ruxandra Hurezean, Senior Editor der Zeitschriften Transilvania Reporter und Sinteza, ist die Autorin der Bücher „Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen, von ihnen selber erzählt“ und „Criţ, Geschichte und Leben eines Sachsendorfes“ , eine andere Monographie des Dorfes Criţ (Deutschkreuz).

 

Die Sopranistin Hildegard Bergel-Boettcher, auf der Gitarre begleitet von Andrea Gatze, gab ein bewegendes Konzert mit uralten sächsischen Liedern, und sie bezauberte das Publikum mit dem archaischen aber noch lebendigen sächsischen Dialekt.

Der 1925 in Râşnov geborene und seit 1968 in München lebende Schriftsteller Hans Bergel las die Novelle „Das Menuett der Königin“ vor, die von seiner denkwürdigen Begegnung mit Königin Maria von Rumänien handelt. Hans Bergel, ehemaliger politischer Häftling, der schwere Gefängnisjahre und Zwangsarbeit im Bărăgan hinter sich hat, ist ein wahrer Sohn Siebenbürgens, der aber nie die Sprache und die Kultur Rumäniens vergessen hat.

Die Tanzgruppen der Siebenbürger Sachsen aus Wuppertal und Wiehl-Bielstein ernteten viel Applaus. Wenn der Festsaal des Goethe-Museums größer wäre, hätte sich vielleicht so mancher Zuschauer dazu hinreißen lassen mitzutanzen.

So großzügige Privatinitiativen wie die von Athenaeum oder von dem Verband der Siebenbürger Sachsen sind ein wichtiger Beitrag zur Festigung der Deutsch-Rumänischen Beziehungen. Eine Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln.